Gemeinsam in die Zukunft

CSC/ Die Kirchgemeindeversammlungen von Sissach und Wintersingen haben Ende November und nach zweijährigem Pilotversuch, einstimmig das Ja für die Zusammenarbeitsvereinbarung gegeben. Die beiden Kirchgemeinden bestreiten somit ab dem 1. Januar 2017 gemeinsam den Weg in die Zukunft.

Vor gut 3 Jahren und angetrieben durch die schwindenden Stellenprozente und der angespannten Finanzlage hat sich die Kirchgemeinde Wintersingen-Nusshof auf die Suche nach einer Partnerkirchgemeinde gemacht. Zwar bestand seit vielen Jahren eine Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde Buus-Maisprach. Die beiden Gemeinden feierten zusammen den Erntedankgottesdeinst, halfen sich aus bei gegenseitigem Kanzeltausch und bei den Stellvertretungen. Es wäre eigentlich nahe gelegen, die Zusammenarbeit mit Buus-Maisprach zu intensivieren und einen gemeinsamen Schulterschluss anzustreben.

Dennoch und vor allem infolge der stärker ausgeprägten Orientierung nach Sissach, hat sich die Kirchgemeinde Wintersingen-Nusshof für den Bezirkshauptort entschieden. Der gemeinsame Schulkreis, das Vereinsleben, die Einkaufsmöglichkeiten und nicht zuletzt die besseren Verkehrsverbindungen waren dabei die Hauptgründe. Wintersingen war es wichtig, Ihre Kirchgemeinde langfristig und über die nächsten Generationen hinweg, wieder auf ein zukunftgerichtetes Fundament zu stellen.

Sissach als eine der grössten Kirchgemeinden des Kantons mit den umliegenden Gemeinden Böckten, Diepflingen, Itingen undTürnenhatte hingegen, hatte keinen Druck zu einer Zusammenarbeit. Die Kirchgemeinde, mit gut zehn Mal mehr Mitgliedern hat 300%-Pfarrstellen, ein Sekretariat, einen vollamtlichen Siegristen, eine Jugendarbeiterin, drei fest angestellte Organisten/Iinnen, mehrere Katechetinnen, vier Sonntagschulteams, zwei Altersheime zu betreuen und ein Budget, das rund dem 10-fachen von Wintersingen entspricht. Die Ausganslage konnte also unterschiedlicher nicht sein.

Die Anliegen von Wintersingen wurden aber in Sissach wohlwollend erkannt und auch verstanden. In der Folge bildeten die beiden Kirchgemeinden eine Arbeitsgruppe und liessen sich dabei von Dr. Fritz Weibel unterstützen. Die Gruppe, unter dem Namen KUF, „Kirchen unter der Fluh“, bestand aus je drei Vertreter/Innen aus den beiden Kirchgemeinden. Aus Sissach war dies das Co-Präsidium Esther Vogt und Urs Zürcher sowie einem Vertreter aus dem Pfarrteam, Pfr. Daniel Wüthrich und aus Wintersingen Pfrn. Sonja Wieland, Kirchnpfleger Daniel Anderegg sowie der Präsident Christoph Schaffner. Nach ein paar anfänglichen Abstimmungsschwierigkeiten, hat sich das Unterfangen zu einem interessanten Projekt für beide Parteien entwickelt. Die Arbeitsgruppe hat es verstanden, die gegenseitigen Anliegen sachlich auf derselben Augenhöhe abzuhandeln. Für beide Gemeinden war es wichtig sich nicht nur auf das Organisatorische und auf die Optimierung von Prozessen zu fokussieren, sondern den Kirchgemeindemitgliedern auch inhaltlich eine zukunftsgerichtete Perspektive mit einem Mehrwert zu geben. Wichtig dabei war das Leitbild, welches als gemeinsame Losung die Grundsätze der Zusammenarbeit reflektieren sollten. Als das Pfarrteam von der Arbeitsgruppe KUF den Auftrag erhielt, die Eckpunkte genauer auszuformulieren war der Bann gebrochen. Es entstand ein hervorragendes Arbeitspapier, dessen Inhalte von der Arbeitsgruppe und den beiden Kirchenpflegen immer wieder verifiziert wurden. An einer gemeinsamen Retraite der beiden Gemeinden vom 31. Oktober 2015, wurden die Eckpunkte gutgeheissen und eine zweijährige Pilotphase eingeläutet, die bis Ende 2016 andauern sollte.

Gemeinsam in die Zukunft

Die Zusammenarbeit der Vertragsparteien umfasst im Wesentlichen die Organisation der Gottesdienste, regelt die Amtswochenvertretung, den Konfirmandenunterricht, die Betreuung in den Alters- und Pflegezentnern, die Spitalbesuche und last but not least eine gemeinsame Kommunikation in Form des vorliegenden, neu konzipierten Gemeindebriefs, resp. Chillfänschters. Die Vereinbarung umschreibt auch die gegenseitigen Rechte und Pflichten der Vertragspartner, die Einzelheiten der Zusammenarbeit, die Form des Leistungsausgleichs, die Zuständigkeit sowie die Vertragsdauer.

Ferner bekunden beide Kirchgemeinden die Absicht, in weiteren Bereichen die Zusammenarbeit zu prüfen und bei Eignung zu initialisieren bzw. intensivieren, wie z.B. Erwachsenenbildung, gemeinsame Reisen, gemeinsamer Mitarbeiteranlass, gemeinsames Sekretariat bis hin zu einer intensiven Kooperation beider Kirchenpflegen.

Sämtliche Entwicklungsschritte werden durch die beiden Kirchgemeinden gemeinsam konzipiert. Dies immer mit dem Blick auf die Kernpunkte aus dem Leitbild, nämlich; die „Kirche unter der Fluh“ verkündet und lebt die Botschaft von Jesus Christus, will nahe bei den Menschen sein, will neue Weg gehen, erarbeitet Strukturen, die das Zusammenwachsen in Anerkennung der Verschiedenheit fördern und orientiert sich nicht am Geist der Verzagtheit, sondern am Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. In diesem Sinne wünsche ich allen eine schöne und besinnliche Adventszeit.

Christoph Schaffner